Niederlande: Neues Atomkraftwerk in Borssele liegt auf Eis
Mit der Atomkatastrophe in Japan Anfang 2011 scheint die Welt aufgewacht, Deutschland legt seine KKWs still, ein geplantes in den Niederlanden wurde zumindest vorerst auf Eis gelegt...
Tatsächlich hat der niederländische Energieversorger Delta die geplante Erweiterung des Atomkraftwerks in Borssele vorübergehend ausgesetzt, was auch einige deutsche Nachbarn freuen dürfte. Borssele liegt nämlich gerade mal 215 Kilometer von Düsseldorf entfernt, weswegen auch deutsche Atomkraftgegner gegen den Ausbau demonstriert hatten.
Allerdings lenken die Niederländer weniger wegen dem Atom-GAU in Fukushima März 2011 ein, sondern wegen einer „Kombination aus Finanzkrise, den hohen Investitionskosten für ein Atomkraftwerk, das aktuelle Investitionsklima und die Überkapazitäten auf dem Strommarkt mit niedrigen Energiepreisen“.
Der nach der Stilllegung des Reaktors in Dodewaard (1997) letzte und einzigste Kernreaktor „Kerncentrale Borssele“ (kurz KCB) am Ärmelkanal ging 1973 in Betrieb, die Besitzanteile liegen seit Ende 2011 zu 70 Prozent bei Delta Energy BV sowie zu 30 Prozent bei RWE. Der Betrieb ist bis 2034 vorgesehen, 2009 begannen die Planungen für einen zweiten Block, der 2020 ans Netz gehen sollte. Nun liegen die Pläne laut Delta für mindestens drei Jahre auf Eis, komplett abgesagt ist das Projekt dem Energieversorger zufolge allerdings (noch) nicht.